Verflechtungen

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Die Historie des Ausbaus des Flughafens Frankfurt und die aktuelle Situation der Fraport ist nur vor dem Hintergrund einer sehr engen Verzahnung zwischen Wirtschaft und Politik, heute zwischen dem Unternehmen Fraport und den Hessischen Landesregierungen, zu verstehen.

Inhaltsverzeichnis

Aktuell

Ex Fraport-Vorstandsvorsitzender Wilhelm Bender „Ich gehe (…) davon aus, dass jeder, der einen solchen Posten übernimmt, sich vorher das Aktiengesetz anschaut. Und das legt fest, dass alle dem Wohl des Unternehmens verpflichtet sind.“ [1]

Aufsichtsrat

Vertreter öffentlichen Aktienbesitzes

Derzeit sind folgende Politiker im Aufsichtsrat der Fraport: [2]

  • Jutta Ebeling (Grüne) Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main
  • Jörg-Uwe Hahn (FDP) Hessischer Minister der Justiz, für Integration und Europa
  • Dr. h.c. Petra Roth (CDU) Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main
  • Prof. Klaus-Dieter Scheurle (CSU) Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Prof. Scheurle ist derzeit auch Aufsichtsratschef der Deutschen Flugsicherung (DFS). Er wird als möglicher Nachfolger des abberufenen Geschäftsführers der DFS, Kaden, gehandelt. Der Bund will über die neue DFS-Spitze im 3. Quartal 2012 entscheiden.[3]

Vertreter anderer Aktionäre

  • Dr. Manfred Bischoff Aufsichtsratsvorsitzender Daimler AG
  • Dr. Margarete Haase, Mitglied des Vorstands Deutz AG
  • Stefan Lauer Mitglied des Vorstands Deutsche Lufthansa AG
  • Petra Rossbrey Generalbevollmächtigte Finanzen und Administration der GCS

Beschäftigte im Aufsichtsrat

  • Gerold Schaub Landesfachbereichsleiter Verkehr ver.di Hessen
  • Ismail Aydin Stellvertretender Betriebsratvorsitzender
  • Erdal Kina Betriebsratsmitglied
  • Arno Prangenberg Wirtschaftsprüfer, Steuerberater
  • Gabriele Rieken Betriebsratsmitglied
  • Hans-Jürgen Schmidt Stellvertretender Landesvorsitzender komba gewerkschaft Hessen, Vorsitzender komba gewerkschaft, Kreisverband Flughafen Frankfurt/Main, Betriebsratsmitglied
  • Werner Schmidt Betriebsratsmitglied
  • Edgar Stejskal Konzern-Betriebsratsvorsitzender
  • Christian Strenger Mitglied in Aufsichtsräten
  • Peter Wichtel, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender,jetzt Mitglied des Deutschen Bundestags

Die Aktionärsstruktur

Stand März 2012:

31,50 % Land Hessen

20,12 % Stadtwerke Frankfurt am Main Holding GmbH

9,92 % Deutsche Lufthansa AG (davon 7% bei der Pensionskasse der Lufthansa)

4.90 % Artio Global Investors

2,99 % Artisan Partners L.P.

3,58 % Taube Hodson

2,98 % Arnhold and S. Bleichroeder Holdings

2,94 % Morgan Stanley

21,07% Streubesitz (inkl. Mitarbeiter)

Bis 2001 befand sich die Fraport bzw. FAG komplett in Öffentlicher Hand. 2001 wurde die Faport an die Börse gebracht, siehe Börsengang, 2005 gab der Bund seine Anteile auf, Lufthansa und verschiedene Fonds stiegen ein.

Heutige Fraport-Verflechtungen früherer politisch Verantwortlicher

Auffällig sind z.B. folgende Personalien:

  • Roland Koch, unter dessen hessischer Ministerpräsidentschaft und seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der Fraport 1999 bis 2003 der Börsengang der Fraport vollzog [4])
ist heute Vorstandsvorsitzender beim Baukonzern Bilfinger Berger
Auftragnehmer für Fraport [5]
  • Dr. Alois Rhiel (Ex-Wirtschaftsminister 2003-2009, als Minister zuständig für das Planfeststellungsverfahren 2007)
ist heute Geschäftsführer bei der Tochter der Hessischen Landesbank OFB [6]
Projektentwickler für Fraport z.B. bei Gateway Gardens [7]
  • Karlheinz Weimar (Ex-Finanzminister 1999 bis 2010, Ex-Umweltminister 1987 bis 1991)
heute Aufsichtsratvorsitzender Fraport


Dadurch entsteht zwangsläufig ein Interessenkonflikt der Politiker zwischen der Förderung des Unternehmens und der Berücksichtigung der Bürger. Die Besitzverhältnisse sind aber auch der Grund, warum Demonstrationen im Flughafenterminal höchstrichterlich erlaubt sind.[8]

Geschichte

Anfänge, Ausbau, Wirtschaftskrise

In Frankfurt wurde 1908 die erste Fluggesellschaft der Welt, die „Deutsche Luftschiffahrts-Aktiengesellschaft“ (DELAG) gegründet. Diese eröffnete 1912 in Frankfurt-Bockenheim den „Luftschiffhafen am Rebstock“ (später dann „Flughafen Frankfurt-Rebstock“ genannt). Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Flugplatz weiter ausgebaut, doch schon 1924 bezweifelte ein vom Frankfurter Oberbürgermeister Ludwig Landmann in Auftrag gegebenes Gutachten die langfristige Ausbaufähigkeit des Flugplatzes.

1930 beschloss der Frankfurter Magistrat nach Jahren der meteorologischen, geografischen und verkehrstechnischen Planung den Neubau eines Flughafens im Frankfurter Stadtwald südlich von Frankfurt-Schwanheim, der allerdings an der Weltwirtschaftskrise scheiterte.

1933

Nach der sogenannten „Machtergreifung“ machten sich die Nationalsozialisten im Dezember 1933 diese Planungen zu eigen und ordneten die weiträumige Rodung im Stadtwald für den Bau eines neuen Großflughafens an. Ebenso wie bei anderen Infrastrukturmaßnahmen (Autobahnen) wurde die Bedeutung für die Wirtschaft und eine Kriegsführung erkannt. Ab 1935 baute man auf dem Flughafengelände die damals größte Luftschiffhalle der Welt. Für die Versorgung der Zeppeline mit Wasserstoff wurde eigens eine Gasleitung zu den Farbwerken Höchst verlegt. Zeitgleich mit dem Flughafenbau errichtete man in unmittelbarer Nähe zum Flughafengelände die Siedlung Zeppelinheim für die Familien der Luftschiffer. Nach der Explosion des Zepelins Hindenburg auf dem Weg von Frankfurt nach New York wurde der regelmäßige Luftschiffverkehrs eingestellt, die Zeppeline verschrottet und die beiden Luftschiffhallen auf dem Frankfurter Flughafen gesprengt.

Nach Kriegsbeginn 1939 wurde der Flughafen der Luftwaffe unterstellt. Am 9. Mai 1940 starteten erstmals deutsche Bomber mit Ziel Frankreich. In dem vom 23. August bis 24. November 1944 existierenden KZ-Außenlager Walldorf, südlich des heutigen Flughafengeländes, verrichteten jüdische Zwangsarbeiterinnen Bauarbeiten für den Flughafen.

Kriegsende bis Rückübertragung der Lufthoheit

Nach der Eroberung des Flughafens am 25. März 1945 durch die US-Army. Die Amerikaner konnten das Flugfeld wieder soweit herrichten, dass der Nachschub für die noch kämpfenden Truppenteile der US-Armee Bis zur Befreiung und Kriegsende gesichert war. 1947 gründete sich die Verkehrsaktiengesellschaft Rhein-Main (VAG), deren Hauptaufgabe zunächst lediglich darin bestand Verwaltungs- und Betriebsgebäude zu bauen und in Betrieb zu halten. Der Flughafen war bedeutsam zur Durchführung der Berliner Luftbrücke, die Frankfurter Rhein-Main-Airbase war Hauptbasis der alliierten Flugzeuge.

1954 erfolgte die Umbenennung des Flughafenbetreibers VAG in Flughafen Frankfurt/Main AG (FAG). Am 5. Mai 1955 erhielt die Bundesrepublik Deutschland wieder ihre (nahezu) volle Souveränität und somit auch ihre Lufthoheit zurück. Auf der Vorstandssitzung der Flughafen Frankfurt/Main AG am 15. Juli 1955 wurden die Besitzanteile der Gesellschaft neu geregelt: Das Land Hessen erhielt 45,242 %, die Stadt Frankfurt 28,891 %, der Bund 25,867 %.

Die FAG

Die Gesellschaft in vollständigem Eigentum der Öffentlichen Hand baute den Flughafen in 50 Jahren aus:

  • 1957 (Verlängerung Nordbahn)
  • 1958 Passagierabfertigungsgebäude,
  • 1965 Terminal Mitte (das heutige Terminal 1, damals größte Baustelle Europas)
  • 1964 Südbahnverlängerung
  • 1968 Einleitung Planfeststellungsverfahren dritte Startbahn
  • 1970 Halle V, damals die größte Wartungshalle der Welt
  • 1973 Planfeststellungsverfahren Startbahn West.
  • 1994 Terminal 2
  • 1999 Frankfurt (Main) Flughafen Fernbahnhof

Im Herbst 1997 forderte Jürgen Weber, Vorstandssprecher der Lufthansa, erstmals einen weiteren Ausbau des Flughafens mit einer weiteren Start- und Landebahn. Fraport-Vorstand Wilhelm Bender schloss sich dieser Position an. Beide von der FAG eingesetzten Manger hatten ihre Karierre bei dem Bundesunternehmen Deutsche Bahn gestartet.

Börsengang

2001 ging die Flughafen Frankfurt/Main AG an die Börse. Im Zuge des Börsenganges wurde der Namen in Fraport AG Frankfurt Airport Services Worldwide (Fraport) geändert. Im Jahr 2005 hatte sich der Anteil des öffentlichen Besitzes verringert: Land Hessen 31,94 %, Stadtwerke Frankfurt am Main 20,40 %, Bundesrepublik 18,27 %, 29,39 % Streubesitz. Ohne den "Umweg" über die Hessische Landespolitik wurden die Interessen von am Fluggeschäft profitierenden und inzwischen beteiligten Konzernen immer unverholender formuliert.

Verkauf Bundesanteile

2005 verkaufte der Bund seinen Anteil für rund 660 Millionen Euro. Wenige Tage nach dem Verkauf der Anteile des Bundes erwarb die Deutsche Lufthansa 5 Prozent der Fraport-Aktien. Weiter siehe Aktuell

Ausblick

FAZ: Die öffentlichen Hände halten bei Fraport nach wie vor die Mehrheit der Anteile. Wie lange ist das noch sinnvoll?

Ex-Fraport Vorstandsvorsitzender Wilhelm Bender: Ich begrüße sehr, daß das Land Hessen und die Stadt Frankfurt, die beiden großen Anteilseigner, im Konsortialvertrag von 2001 gesagt haben, daß sie mindestens zehn Jahre die Mehrheit an der Fraport AG halten wollen - auch um den Ausbau sicherzustellen. Das schätzen auch internationale Investoren. Was danach passiert, muß man sehen. Klar ist allerdings, daß es nicht unsere Strategie ist, von einem spanischen Bauunternehmen oder einem anderen Flughafen übernommen zu werden. [9]

Inland

Berlin

Auch der Großflughafen Berlin Brandenburg BER ist umstritten. Die Kontroversen sind ebendort dokumentiert.

München

Auch in München ist der Bau einer dritten Bahn geplant.

Ausland

UK

Heathrow

Einschätzung zur Rolle und zur Historie von Heathrow sowie zu den Manipulationen der öffentlichen Meinung in Großbritannien sind in einem Interview des Guardian mit John Steward beschrieben[10].

Siehe auch

Lobbyismus

Werbung in Parteizeitungen

Einzelnachweise

  1. 18.8.2006 FAZ Interview mit Flughafen-Chef Wilhelm Bender
  2. Homepage Fraport Liste der Aufsichtsratsmitglieder
  3. [http://www.airliners.de/management/koepfe/dfs-trennt-sich-von-geschaeftsfuehrern/26280 DFS trennt sich von Geschäftsführern, airliners.de, 01.02.2012
  4. Roland Koch verlässt Fraport-Aufsichtsrat
  5. [1] Bilfinger Berger
  6. [2] Homepage der OFB
  7. Projektvorstellung Gateway Gardens
  8. Entscheidung Bundesverfassungsgericht
  9. 18.8.2006 FAZ Interview mit Flughafen-Chef Wilhelm Bender
  10. Heathrow is a monster. It must be fed, Interview mit John Steward, Guardian http://www.guardian.co.uk/environment/2009/jan/10/interview-john-stewart-heathrow-campaigner


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