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Inhaltsverzeichnis

Alle offiziellen Arbeitsplatzzahlen des Fraport Konzerns zwischen 2001 und 2010

Die nachstehende Tabelle zeigt den Verlauf der Anzahl der Beschäftigten in den letzten 10 Jahren für den Fraport Konzern (alle Mitarbeiter weltweit einschl. Auslandsbeteiligungen)[1], [2]:

Fraport Konzern 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
Mitarbeiter weltweit 15.526 21.395 23.535 24.182 25.781 28.246 30.437 23.079 19.970 19.792

Die Gesamtzahl aller Mitarbeiter weltweit (also inklusive Frankfurt) des Fraport Konzerns ging von 30.437 (2007) innerhalb von 4 Jahren auf 19.792 (2010) zurück. Offiziell bestätigt damit die Fraport AG, dass sie innerhalb von 4 Jahren von ihren weltweit Beschäftigten über ein Drittel der Mitarbeiter abgebaut hat. Im gleichen Zeitraum ist das Passagier- und Frachtaufkommen nahezu konstant geblieben (54 Mio bzw. 2.095.293 Tonnen in 2007 und 53 Mio bzw. 2.275.000 Tonnen in 2010).

Die Fraport AG ist Teil des Konzerns und in den obigen Zahlen eingeschlossen[3], [4]:

Fraport AG 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
Mitarbeiter - - - - - - - - 12.083 11.967

(Zahlen für 2001-2007 werden nicht gesondert ausgewiesen.)

Zusätzlich zu den 11.967 Beschäftigten der Fraport AG, die laut Geschäftsbericht dem Standort Frankfurt zugerechnet werden, arbeiteten laut Angaben der Fraport AG im Jahre 2010 am Standort Frankfurt aber 17.479 Mitarbeiter[5]. Die Diskrepanz zwischen den offiziellen 11.967 Mitarbeitern und der zweiten Zahl von 17.479 (im Geschäftsbericht ohne Beleg) ist aufzuklären.

Die differierenden Mitarbeiterzahlen im Geschäftsbericht 2010 der Fraport AG sind irreführend und bedürfen deshalb der Aufklärung gegenüber den Aktionären.

Anzahl der Arbeitsplätze am Frankfurter Flughafen und deren Bedeutung für die Region

Angaben Fraport AG zur Anzahl der Arbeitsplätze im Jahr 2011: 70.000 Arbeitsplätze (Fraport AG: 17.500; Lufthansa AG: 36.000 einschließlich der Mehrzahl der Piloten [ca. 4.500] und der Flugbegleiter [ca. 16.000], deren Arbeitsplätze aber auch jedem anderen Flughafen zugeordnet werden könnten) sowie einschließlich aller Logistik-, Dienstleistungs- und Einzelhandelsunternehmen, Hotels etc. in Flughafennähe).[6]

Diese Zahl beinhaltet jedoch mehrere tausend Arbeitsplätze, die allein durch Verlagerung aus anderen Regionen an den Flughafen entstanden sind und deshalb seriöser weise nicht zu berücksichtigen sind, z.B. KPMG (2.000 Mitarbeiter), DB Schenker (200 Mitarbeiter), Dell GmbH (600 Mitarbeiter) um nur die prominentesten zu nennen.

Selbst wenn man die von der Fraport AG behauptete Zahl unkritisch übernehmen wollte, so stellen 70.000 Arbeitsplätze doch nur 2,4% der Arbeitsplätze im Rhein-Main-Gebiet mit insgesamt 2,9 Mio. Arbeitsplätzen dar.

Auch weist das Arbeitsplatzwachstum bis heute keine Dynamik auf, die den Vergleich mit einem Motor auch nur annähernd passend erscheinen ließe. Zunahme der Arbeitsplätze seit 1999: 61.000 auf 70.000 = durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 1,15% (Anmerkung: auch hier wären bei seriöser Zählung Arbeitsplätze, die aus dem Umland an den Flughafen verlagert wurden nicht zu berücksichtigen, so dass die durchschnittlich jährliche Wachstumsrate realistischer bei 0,5% angenommen werden kann)

Arbeitsplatzprognose laut Fraport und Planfeststellungsbeschluss a) im Falle des Nichtausbaus: 76.000 → keine Gefahr des Arbeitsplatzrückgangs und b) im Falle des Ausbaus: 86.000, Differenz: 10.000 Arbeitsplätze = 0,34% der Arbeitsplätze im Rhein-Main- Gebiet. Ursprüngliche Prognose im Jahre 2000: bis zu 100.000 direkte und indirekte neue Arbeitsplätze am Flughafen im Ausbaufall. Seriöse Angaben zu den „indirekten“ Arbeitsplätzen, die durch den Flughafen angeblich geschaffen werden, existieren nicht.


Veränderung bei Fraport AG nach Inbetriebnahme der Landebahn Nord [7]

Geschäftsbereich 2010 2011 Veränderung
Aviation 6.074 6.088 +14
Retail und Real Estate 606 596 -10
Ground Handling 8.564 8.899 +335
External Activities & Services 4.548 5.012 +464

Bei "External Activities & Services" handelt es sich um Konzernbetriebe außerhalb Frankfurts und weitere Servicebetriebe in Frankfurt, insbesondere IT und Facility Management. Der neuen Landebahn sind wohl nur die Segmente "Aviation" und "Ground Handling" also bisher 349 Arbeitsplätze zuzuordnen.

Bedeutung der Arbeitsplätze am Flughafen unter dem Gesichtspunkt der Steuereinnahmen und der Sozialversicherungsbeiträge im Vergleich zu anderen Unternehmen der Region

Personalaufwand je Mitarbeiter im Jahr 2010 (Geschäftsberichte):

  • Fraport AG: € 44.000
  • Lufthansa AG: € 57.000
  • Logistik- und Speditionsbranche (gewerblicher Bereich): ca. € 30.000
  • BASF: € 75.000
  • Deutsche Bank AG: € 124.000
  • Deutsche Börse AG: € 144.000

Der Personalaufwand der am Flughafen tätigen Unternehmen im Airport-Business liegt weit hinter dem anderer großer Unternehmen der Region; das selbe gilt folglich für die Höhe der abgeführten Lohnsteuer und Sozialversicherungsabgaben für die am Flughafen tätigen Arbeitnehmer.

Hinzu kommt, dass Arbeitsplätze am Flughafen weit überdurchschnittlich mit Gesundheits- und Frühverrentungskosten in Folge von Schichtarbeit, sonstiger körperlich schwerer Arbeit, Feinstaub- und Kerosinaufnahme (Atemwegserkrankungen) belastet sind. Krankheitsquote im Bereich „Verkehr und Transport“: 5,5% (2010); Bereich „Banken und Versicherungen“: 3,3% (2010), Fraport AG: 6,3% (2009).

Ertragsteuern – Konzern 2010 (Geschäftsberichte)

  • Fraport: € 7 Mio.
  • Lufthansa: € -165 Mio
  • BASF: € 2.6 Mrd.
  • Deutsche Bank: € 1,65 Mrd.

Finanzierung durch Schulden

Fraport plant auch künftig hohe Investitionen in Frankfurt. Das belastet die Kapitalausstattung des Unternehmens.

Zur Zeit liegt die Bruttoverschuldung bei 4,5 Mrd €, die Nettoverschuldung bei 2,5 Mrd €. Beide werden 2015 bei 4,5 Mrd € liegen. Da die bestehende Liquidität für das weitere Investitionsprogramm eingesetzt werden soll, sollen brutto keine weiteren Schulden gemacht werden.

Die Zinsbelastung liegt z.Zt. bei durchschnittlich 4%. 70% der Schulden sind variabel finanziert.

Im kommenden Jahr sollen laut Stefan Schulte die Bauarbeiten für das dritte Terminal beginnen, das ab 2016 die weiter wachsenden Passagierzahlen bewältigen soll.[8]

Dennoch schüttet Fraport fast die Hälfte seines Gewinnes 2011 aus (geschuldet wohl den klammen Großaktionären Stadt Frankfurt und Hessen). Bei dem Wachstums- und Investitionstempo bei einer deutlich steigenden Verschuldung müssten die kreditgebenden Banken eigentlich nervös werden. Aber wohl dank der öffentlichen Hand halten die (noch) still.

Gesundheitsgefahren für die Anwohner des Flughafens (ca. 5 Mio. vom Fluglärm Betroffene)

  • HYENA-Studie: Gesundheitsstudie zu Einwohnern in den Anflugschneisen von sechs europäischen Flughäfen: Überdurchschnittlich viele Menschen hatten einen auffällig erhöhten Blutdruck → Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall; vermehrte Einnahme von Tabletten gegen Blutdruck, Depression sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel.
  • Greiser Studie: Erhöhte Erkrankungsrisiken durch Fluglärm für Herz- und Kreislauferkrankungen, Depressionen und Psychosen sowie für Brustkrebs bei Frauen.
  • Lancet-Studie: Fluglärm verursacht bei Kindern Aufmerksamkeitsstörungen, Defizite in der Sprachwahrnehmung und behindert die Entwicklung der Lesefähigkeit und des Gedächtnisses
  • Diverse Studien: Erhöhte Feinstaubkonzentrationen in Flughafennähe sind für gehäuftes

Auftreten von Atemwegsproblemen und chronischen Herzerkrankungen verantwortlich.

  • Studie WHO: „Lärm ist eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit“ im Westen der Europäischen Union => Verlust von 1 Mio. gesunden Lebensjahren.“

Folge: Zunahme von Herz-und Kreislauferkrankungen, Verkürzung der Lebenserwartung; hohe Gesundheitskosten

Subventionen

Eine Subvention ist eine Zuwendung des Staates oder eines Verwaltungsträgers des Staates ohne Gegenleistung. Subventionen sind volkswirtschaftliche Steuerungselemente zur Erreichung politischer Ziele. Der Luftverkehr wird durch verschiedene Subventionen unterstützt:

- 1944 wurde in einem multinationalen Abkommen die Steuerfreiheit für die gewerbliche Luftfahrt beschlossen und unter anderem in § 27 Abs.2 Energiesteuergesetz vom 15.07.2006 als nationales Recht festgeschrieben. - Allein für 2001 hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung[9] eine Subventionierung in Höhe von 2,8 Mrd. € errechnet . Vor allem die Steuerverluste aufgrund der Kerosinsteuerbefreiung für die gewerbliche Luftfahrt betrugen in diesem Jahr 2,2 Mrd. € alleine in Deutschland.

Gerade die Besteuerung von Kerosin wurde in der Politik, u. a. vom damaligen Bundespräsident Horst Köhler[10], vielfach gefordert, um den Wettbewerb im Transportsektor nicht zu verzerren.

Darüber hinaus sind Flugtickets - mit Ausnahme innerdeutscher Flüge - von der Mehrwertsteuer befreit. Zumindest innerhalb von Europa fehlt eine sachliche Motivation für diese Mehrwertsteuerbefreiung und wird der Lobbyarbeit der Fluggesellschaften zugerechnet[11].

Neben den Kosten für die öffentliche Hand ist auch die Steuerungswirkung von Subventionen wichtig: Im Gegensatz zu bspw. Kfz- und Benzinsteuer wird der Luftverkehr bevorzugt und hat Wettbewerbsvorteile gegenüber dem bodengebundenen Verkehr.

Die Luftverkehrswirtschaft bestreitet die Subventionierung des Luftverkehrs mit Hinweis auf die erhobenen Gebühren[12]. Kritiker bemängeln, dass für die erhobenen Gebühren eine Gegenleistung wie Abfertigung oder Flugüberwachung erfolgt, die steuerliche Vergünstigung aber unbeschadet weiter besteht.

Wertverluste an Immobilien

Die Wertverluste für Immobilien in der Rhein-Main Region bedingt durch den Fluglärm werden auf ca. 5 Mrd. EUR beziffert. Die Zahl basiert auf Schätzungen aufgrund der überflogenen Gemeinden, durchschnittlichen Quadratmeterpreisen, Wohnungs- u. Haushaltsgrößen und konservativen Annahmen zu den Wertverlusten. Betroffen sind in der Tagschutzzone 2 ca. 280.000 Menschen (2020) und im Rest (keine Schutzzonen) noch weitere ca. 570.000 Menschen (Stand jetzt).

Schlussfolgerung und Ausblick

Der Frankfurter Flughafen ist entgegen weit verbreiteter Meinung nicht der „Jobmotor“ der Region. Das Wachstum der Arbeitsplätze ist gering und zudem durch Verlagerung von Betrieben an den Flughafen beeinflusst, ohne daß neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Die Einkommen der am Flughafen tätigen Mitarbeiter liegen weit unter dem Durchschnitt der Arbeitnehmer anderer Großunternehmen der Region. Hieraus resultieren deutlich geringere Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen. Die Anzahl neu geschaffener Arbeitsplätze im Ausbaufall wäre überschaubar. Die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens ist damit weit geringer als von Fraport AG und Hessischer Landesregierung gebetsmühlenartig behauptet wird.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens ist in keinem Fall geeignet, die erheblichen Gesundheitsschäden und die damit einhergehenden Gesundheitskosten für die Anwohner und die Beschäftigten am Flughafen zu rechtfertigen. Im Falle des weiteren Ausbaus und Wachstums des Frankfurter Flughafens mit einer Erhöhung der Flugbewegungen von gegenwärtig ca. 480.000 p.a. auf ca. 700.000 p.a. im Jahre 2020 wird sich die Belastung der Anwohner dramatisch erhöhen und die damit einhergehenden Gesundheitsschäden und Gesundheitskosten weiter ansteigen lassen. Für weitere Informationen oder Quellenangaben kontaktieren Sie bitte: info@fluglaerm-mainz-oberstadt.de.

Einzelnachweise

  1. http://www.fraport.de/content/fraport-ag/de/Nachhaltigkeit/soziales/personal_in_zahlen/personal_in_zahlen.html
  2. Fraport Geschäftsbericht 2010
  3. http://www.fraport.de/content/fraport-ag/de/Nachhaltigkeit/soziales/personal_in_zahlen/personal_in_zahlen.html
  4. Fraport Geschäftsbericht 2010
  5. Fraport Geschäftsbericht 2010
  6. Fraport Geschäftsbericht 2010
  7. Preliminary Figures FY 2011, d.h. vorläufige Geschäftszahlen für 2011, Frankfurt, 8.3.2012
  8. Rhein-Main in Nachtflug-Frage gespalten, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.3.2012
  9. "Deutsches Institut für Wirtschaft:" Subventionen im Luftverkehr In: "Wochenbericht des DIW Berlin 42/03"
  10. "Hamburger Abendblatt" vom 27.05.2010 "Bundespräsident Köhler fordert Besteuerung von Flugbenzin"
  11. Warum keine MwSt auf Flüge innerhalb der EU?, Forum Airliners
  12. "Verkehrsforum" - Fakten zum Luftverkehrsstandort Deutschland Berlin, 2003
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